Geschichte
Kurze Zusammenfassung:
Die Pfarrei wurde als Seelsorgestelle 1879 gegründet; sie ist entstanden mit der Ansiedlung von Industrie-Arbeitern.
1912 zur Pfarrei erhoben, zählt sie heute rund 7.000 Mitglieder. Die Pfarrkirche wurde 1902 / 1903 erbaut, 1943 durch Bomben zerstört und nach dem Wiederaufbau 1949 neu konsekriert. Die Kirche ist bekannt als “Roter Dom des Nordens”. Die Diaspora-Gemeinde St. Marien gehört zur Diözese Münster.
Neben der Kirche ist auf dem Bild rechts vorn das Pfarrhaus zu sehen, rechts daneben der ältere Gebäudeteil des St. Josef-Krankenhauses, im Hintergrund der neue Erweiterungsbau des Krankenhauses, ganz rechts vorn im Bild das Schwesternwohnheim des Krankenhauses.
In unmittelbarer Nähe der Kirche befinden sich außerdem (nicht auf dem Bild) das Gemeindehaus mit Gemeindeverwaltung und Bücherei, einer der drei Kindergärten, die Caritas-Sozialstation, -Beratungsstelle und -Geschäftsstelle, der Malteser Hilfsdienst sowie die Beratungsstelle für Ehe- und Familienfragen.
Ausführlicher, entnommen aus der entsprechenden Festschrift des Jahres 1979 anläßlich unseres 100-jährigen Bestehens sowie aus dem Buch “St. Marien Delmenhorst” von Michael Hirschfeld:
1232 Gründung des Klosters Hude
1286 Johann der Zweite von Delmenhorst gründet das Kollegiatstift St. Marien
1538 Kollegiatskirche St. Marien wird in Kriegswirren ein Raub der Flammen
1667 – 1773 Katholische Religionsausübung in Delmenhorst verboten
1785 Katholiken im Herzogtum Oldenburg werden wieder öffentlich geduldet
Das erste Bittgesuch an die kirchliche Behörde in Vechta, man möge doch in Delmenhorst katholischen Gottesdienst einrichten, haben Katholiken aus Goldenstedt geschrieben, 1857. Das Schreiben wurde abschlägig beantwortet, die Zahl der Katholiken sei zu gering.
Nach der Volkszählung von 1855 hatte die Stadt 1.823 Einwohner, 48 davon waren Katholiken; in Hasbergen gab es zwei, in Ganderkesee 9 Katholiken.
So fuhr man, wenn es irgend möglich war, mit dem Pferdefuhrwerk zum Sonntagsgottesdienst nach St. Johannes in Bremen. Das Fuhrwerk stellte der Kaufmann Bernhard Heinrich Niemann. Auch zu Fuß machte man sich auf den Weg.

Kaufmann Bernhard Heinrich Niemann, 13.10.1811 – 11.11.1888
Mitbegründer der Gemeinde von St. Marien
1866 wurde wiederum ein Bittschreiben an das Offizialat in Vechta gesandt. Geschrieben hat es der Pfarrer von St. Johannes in Bremen, unterzeichnet haben es fünf Delmenhorster Katholiken. Auch dieses Gesuch wurde wieder abgelehnt.
Als man 1867 mit der Eisenbahn nach Bremen fahren konnte, nahm der Besuch der Sonntagsmesse in St. Johannes seitens der Delmenhorster zu.
1873 wurde dem Pastor Fideldei (bzw. dem Pastor Schlösser) aus Bremen auf Antrag gestattet, in Delmenhorst zeitweise Gottesdienst zu halten. So mieteten die Delmenhorster Katholiken für die Sonntagvormittage den Saal im damaligen Hotel Sudmann. An dieser Stelle hatte schon die mittelalterliche Kirche des Marienstiftes gestanden.
Doch die Heilige Messe im Wirtshaus feiern zu müssen, empfanden die Katholiken auf Dauer als unwürdig. Als sie sich mit einem Brief vom 20. Mai 1878 wiederum, unter Hinweis auf ihre wachsende Zahl, an das Bischöfliche Offizialat wandten, konnten sie ihren Antrag auf den Bau einer Kapelle und die Anstellung eines Geistlichen handfest unterstreichen: Niemann stellte Kapital und einen Bauplatz am Westergang zur Verfügung. Nun endlich wurde die Genehmigung erteilt und eine kleine einfache Kirche konnte im Laufe des Jahres 1879 gebaut werden.

Die erste Kapelle am Westergang, 1879
Das Kirchlein wurde auf den Titel der Unbeflekten Empfängnis Mariens geweiht.
Mit diesem Tag begann die lange und segensreiche und oft schwierige Tätigkeit des ersten Geistlichen von St. Marien: Bernhard Rein.
Schon im folgenden Jahr, als auch die Dienstwohnung für den Geistlichen fertiggestellt war, richtete der Kaplan bei sich zu Hause eine Privatschule ein und erteilte selbst den planmäßigen Unterricht.
1881 bekam die kleine Schule einen eigenen Lehrer, Herrn Markus, und bald auch ein eigenes Gebäude.
Die erste Kirche war bald zu klein geworden. Die kleine Arbeitergemeinde wuchs.
1888 wurde die Kapelle durch einen Altarraum im Osten und drei Jahre später, 1891, um je zwei Meter nach Süden und Norden und um sechs Meter nach Westen vergrößert.

Das Bild zeigt die Gestalt, die die Kapelle nun erhalten hatte. Die kleine Glocke im Dachreiter stiftete Kaufmann Niemann. Noch heute klingt sie im Geläute von St. Marien mit; sie ist die kleinste Glocke darin und hat als einzige die Zeit der beiden Weltkriege überdauert.
1891 wurde der St. Josephsverein, ein Verein für Arbeiter, ins Leben gerufen, und im selben Jahr wurde ein Arbeiterinnenheim gegründet, das sog. Hospiz, aus dem später das St. Joseph-Stift, heute Josef-Stift, hervorgegangen ist.
Im Laufe der 90er Jahre war der Raum in der kleinen Kirche wieder so eng geworden, daß der Kaplan sich um einen Neubau bemühen musste. Mit Hilfe des Korkfabrikanten Ellgaß konnte er das Grundstück an der Louisenstraße günstig erwerben, und eines Tages überraschte er die Gemeinde mit der Ankündigung eines Neubaus.
Schon am nächsten Sonntag begannen die Sammlungen. Sie wurden ertragreich und dauerten bis 1913. Erst wurde für das Gebäude gesammelt, später für den Hochaltar.
Bei der Grundsteinlegung im August 1901 wurden der Grundsteinurkunde Tageszeitungen und Münzen beigegeben, und zwei Steinchen wurden mit eingeschlossen, eines vom Ölbergfelsen und eines aus der Calixtuskatakombe in Rom.
Die feierliche Weihe der neuen Kirche wurde am 19. Juli 1903 vom Bischof Hermann Dingelstädt vollzogen. Zur Erinnerung an das Kloster in Hude ist sie der Gottesmutter geweiht und zur Erinnerung an die Kapelle am Westergang wieder auf den Titel der Unbefleckten Empfängnis. Im Hauptaltar ruhen Reliquien der Heiligen Maxima und Justina.
Die Marienkirche wurde nach den Plänen des Bremer Architekten Flügel im damals üblichen neugotischen Stil erbaut. Sie ist 59 Meter lang und im Kreuzschiff 12 Meter breit; der Turm ist 70 Meter hoch. Der Bau kostete damals 250.555 Mark. Das Geld wurde fast ausschließlich durch Spenden der Gemeinde aufgebracht.
1903 wurde das Pfarrhaus gebaut, 1920 die Kaplanei.
Das Leben der Gemeinde konnte sich nun reich entfalten, wobei zu den wesentlich mittragenden Kräften die Standesvereine gehörten. In diesem Zusammenhang seien auch die beiden Familien Leffers erwähnt, die mit ihrem Reichtum und mit ihrer Initiative viel zur Entwicklung der Gemeinde beigetragen haben.
Bis 1912 gehörte die ständig wachsende Gemeinde zur Pfarrei Wildeshausen, die also die Muttergemeinde von St. Marien ist.
Am 21. April 1912 wurde Delmenhorst zur selbständigen Pfarrei erhoben, umfassend das Gebiet Amt Delmenhorst mit den Gemeinden Ganderkesee, Hasbergen, Stuhr, Schönemoor, Altenesch und Hude, insgesamt ein Gebiet von 450 Quadratkilometern. Das entsprach etwa dem Bereich der alten Herrschaft Delmenhorst mit der Burg und dem Kollegiatsstift St. Marien als Mittelpunkt. 1913 wurde Kaplan Rein zum Pfarrer ernannt.
Vom 1. Weltkrieg findet man in den verschiedenen schriftlichen Zeugnissen über unsere Gemeinde nur geringe Spuren. Er wird z.B. im Zusammenhang mit den Glocken erwähnt. Aus dem Geläute von drei Glocken, das die Gemeinde 1911 bekam, musste sie eine, die mittlere, “dem Vaterland opfern”. 1922 wurde das Geläute wieder ergänzt. Die Gemeinde schenkte ihrem Pfarrer zu seinem goldenen Priesterjubiläum eine neue Glocke. Schon zu Anfang des Jahres war Pfarrer Rein vom Papst durch Ernennung zum Prälaten und Päpstlichen Geheimkämmerer geehrt worden.

Prälat Rein im Pfarrhausgarten, im Hintergrund das Hospiz; um 1925
Er erreichte das hohe Alter von 80 Jahren. Er war bis zuletzt Pfarrer. Er starb nach längerem Leiden am 1. Juli 1927. Die Gemeinde beerdigte ihn auf dem Kirchplatz hinter dem Chor von St. Marien.
Am 1. Oktober 1927 wurde der schon seit 1919 in Delmenhorst tätige Kaplan Gottfried Plump in sein neues Amt als Pfarrer eingeführt. Seine Jahre als Pfarrer von St. Marien wurden gekennzeichnet durch das Heraufkommen des Nationalsozialismus und dann durch die Auseinandersetzung mit dem NS-Regime.
Es gelang ihm, an der Oldenburger Landstraße das Gelände für einen neuen Friedhof zu erwerben. Vorher war den Katholiken für ihre Verstorbenen 1879 eine Ecke auf dem evangelischen Friedhof an der Bremer Straße zur Verfügung gestellt worden, bis sie sich 1897 einen eigenen Begräbnisplatz an der Schanzenstraße anlegten. Dieser konnte aber bei weiterem Bedarf nicht mehr erweitert werden. 1929 wurde der neue Friedhof eingerichtet. Im selben Jahr kam Friedhofsgärtner Rochus Gelfen nach Delmenhorst; der Ausbau und die Pflege des Friedhofs wurden seine Lebensaufgabe.
Das Hospiz, in dem schon seit langem auch ambulante Krankenpflege ausgeübt wurde, in dem schließlich einige Krankenbetten aufgestellt waren, wurde 1930 auf Betreiben des Pfarrers zu einem Krankenhaus umgebaut, dem heutige Josef-Stift.
1931 wurde die Konzession erteilt.
1936 wurde unter Pfarrer Plump der Innenraum der Kirche neu gestaltet.

St. Marien nach der Renovierung 1936 unter Pfarrer Plump.
Die Jahre nach der nationalsozialistischen Machtübernahme wurden bestimmt durch die Auseinandersetzung mit dem neuen Regime. Für das junge Krankenhaus waren es harte Zeiten. Und der Kampf der NS-Machthaber galt neben dem Krankenhaus besonders der Konfessionsschule. 1938 wurde schließlich trotz aller Proteste die christliche Bekenntnisschule zerschlagen. Die katholischen Vereine wurden in ihrer Tätigkeit mehr und mehr gehindert bzw. aufgelöst.
Mehrfach wurde Pfarrer Plump von der Gestapo verwarnt. Die Gesundheit des Pfarrers litt unter den Anfeindungen sehr. Mehrmals wurde die St.-Marien-Kirche mit Hakenkreuzen beschmiert. Als Pfarrer Plump schließlich symbolisch der Galgen angemalt wurde, verzichtete er im Frühjahr 1938 in seiner Bedrängnis auf die Delmenhorster Pfarrstelle und übernahm die Pfarrei in Dinklage.
Wilhelm Niermann, gebürtig aus Löningen, wurde zu seinem Nachfolger berufen. Er kam am 26. Mai nach Delmenhorst, und er leitete die Gemeinde und sorgte sich um sie in den schweren Jahren staatlicher Kirchen- und Religionsfeindlichkeit, in den Wirren des Krieges und in den Jahren der Nachkriegszeit. Um den Sinn für die Geschichte und die Tradition der Kirche in seiner Gemeinde zu festigen, feierte er mit ihr Anfang Oktober 1938 das Marienerbe von Hude; als Zeichen für dieses Erbe wurde das Siegel des alten Klosters Hude als Pfarrsiegel von St. Marien eingeführt.

Nachzeichnung des Siegels des alten Klosters Hude

Am 26. November 1943 wurde die St. Marien-Kirche von zwei Fliegerbomben getroffen. Die eine Bombe hatte das südliche Kreuzschiff und die Chorbauten zerstört; die andere war im Gewölbe detoniert und hatte es insgesamt zum Einsturz gebracht.
Im Saal des Pfarrheimes wurde die Notkirche eingerichtet.

Notkirche im alten Pfarrheim
“St. Marien ist wieder erwachsen aus den Opfern der Gläubigen. In der schweren Zeit mussten beschafft werden: 250 fm Holz, 38 t Eisen, 150 t Zement, 700 qm Glas, 50 cbm Sandstein und 30 cbm Marmor, dazu noch große Mengen Mauersteine, Dachziegel, Kalk, Gips, Kies und viele andere Materialien. Die Baugeschichte von St. Marien spricht ein beredtes Zeugnis von der Glaubenstreue und Opferkraft, nicht zuletzt des werktätigen Volkes.” So schrieb Niermann 1949 in seinem Buch über die wiedererbaute Kirche.
Er hatte erkannt, daß in dem, was zerstört war, auch etwas Vergangenes lag, das der Zeit nicht mehr standgehalten hätte. So ergriff er die Chance und sorgte für eine Erneuerung.

Die Gemeinde vergrößerte sich durch Flüchtlinge und Vertriebene schlagartig. In Stenum hatte sich schon sehr bald eine kleine Gemeinde aus den dort und in der Umgebung wohnenden Flüchtlingen gebildtet, für die 1950 die St. Michael-Kapelle geweiht werden konnte. Ähnlich in Ganderkesee, wo im selben Jahr eine neue Gemeinde aus Flüchtlingen ihre St.-Hedwig-Kirche geweiht erhielt.
In Düsternort konnte 1952 die St.-Christophorus-Kirche geweiht werden.
Ebenfalls 1952 wurde für die Gemeinde in Hude der Grundstein zu einer neuen St. Marien-Kirche gelegt.
In Lemwerder war schon gleich nach dem Kriege in dem ehemalige Hitlerjugendheim, umgestaltet zu einem Gottesdienstraum, die erste Heilige Messe gefeiert worden.
(Teil 2)
Zum 1. Januar 1954 wurde das Dekanat Delmenhorst geschaffen, das neben St. Marien und den Tochtergemeinden auch Wildeshausen und Ahlhorn umfasste. Propst Wilhelm Niermann wurde erster Dechant.
Im Oktober 1954 konnte die Gemeinde mit einem großen Festakt auf ihr 75-jähriges Bestehen zurückblicken, und zu Weihnachten 1954 konnte wieder das volle Geläut von St. Marien – geschaffen durch fünf neue Glocken – erklingen.
Ein besonderes Augenmerk Propst Niermanns galt dem sozial-caritativen Bereich. Es entstanden Erweiterungen des St. Josef-Stiftes, das KAB-Siedlungswerk in Düsternort und das Altenheim “Hildegard-Stift” in Hespenriede.
Am 4. November 1955 verstarb Propst Wilhelm Niermann, eine “der markantesten katholischen Persönlichkeiten im gesamten norddeutschen Raum”. In seinem Abschiedsbrief schrieb er: “Bleibt unerschütterlich treu dem Marienerbe der großen Diasporagemeinde”.

Am 2. Februar 1956 wurde Pfarrer Albert Kröger in sein Amt eingeführt.
Tatkräftig mussten Bauvorhaben angepackt werden bzw. vollendet werden: Die Sanierung des Kirchturms, der St. Polykarp-Kindergarten, das St. Josef-Stift, der Neubau der Heilig-Geist-Kirche in Lemwerder, der Umbau des Hildegard-Stifts und der Bau der

St.Rochus-Friedhofskapelle.
Ein besonderes Anliegen Pfarrer Krögers im innerseelsorgerischen Bereich war das sakramentale Leben.
Seit 1956 wird Fronleichnam mit Gottesdienst und Prozession außerhalb des Kirchengeländes auf den Graftwiesen gefeiert.
1961 erhielt die St. Marienkirche eine neue Orgel der Firma Alfred Führer aus Wilhelmshaven.
1963 bzw. 1964 wurden die beiden Tochtergemeinden St. Christophorus Düsternort und Heilig-Geist Lemwerder zu selbständigen Pfarrgemeinden erhoben.
Im Zuge der Neuschaffung der Bundeswehr wurde für die Soldaten sowie auch für die Katholiken des Stadtteils Deichhorst im Jahre 1963 ein drittes katholisches Gotteshaus gebaut, das 1965 konsekriert wurde.
Gleichzeitig wurde eine zweite Militärkirche in Adelheide gebaut, die 1966 auf den Hl. Ansgar geweiht wurde. St. Ansgar entwickelte sich bald zur alleinigen Militärkirche, die sie bis zu ihrem Verkauf am 31. August 2003 auch blieb.
Als die Zahl der Katholiken auch im Umland wuchs, wurde 1967/68 die St. Bernhard-Kirche in Bookholzberg erbaut.
Ende der 60er Jahre stand für St. Marien auch ein “innergemeindliches” Bauprojekt an, die Errichtung eines den Erfordernissen der Zeit entsprechenden Gemeindehauses. Bisher hatte das alte Pfarrheim neben der Kirche, ein Bauernhaus von etwa 1830, als Treffpunkt für Gruppen und Verbände gedient, und die Kolpingfamilie traf sich schon seit 1951 in der sog. Kolpingbaracke. Der Grundstein für einen Neubau wurde im Dezember 1968 durch Dechant Albert Kröger gelegt. Am 30. Januar 1970 erfolgte die Einweihung des Gemeindehauses.
1973 stand die Neugestaltung des Kirchplatzes im Mittelpunkt. Er wurde begrünt und gepflastert.
Für die aufstrebenden Wohnsiedlungen in der Gemeinde Stuhr vor den Toren Bremens konnte 1973 eine eigene Seelsorgestelle geschaffen werden. Als jüngster Kirchenneubau im Dekanat entstand in Stuhr-Moordeich 1974/75 das Gemeindezentrum St. Paulus, bestehend aus Kirche, Gemeinderäumen, Pfarrhaus und Kindergarten.
Die jüngste Abpfarrung von St. Marien erfolgte am 1. Februar 1976, als das Pfarrrektorat Allerheiligen zur selbständigen Pfarrei erhoben wurde. Als erster Pfarrer führte Dechant Rudolf Voet den bisherigen Pfarrrektor Franz Nienaber ein.
Im Juli 1978 feierte die Gemeinde ein doppeltes Jubiläum: die 75-Jahr-Feier der Weihe von St. Marien und das 40jährige Priesterjubiläum ihres Pfarrers Albert Kröger.
Ein besonderes Zeichen setzte St. Marien mit der 100-Jahr-Feier 1979. Das Festhochamt am 30. September mit Generalvikar Dr. Hermann Josef Spital, eine Festversammlung in der Delmeburg mit dem Festredner Weihbischof Max Georg Freiherr von Twickel und eine Fußwallfahrt der Gemeinden des Pfarrverbandes in den Marienwallfahrtsort Bethen, deren Durchführung bis heute beibehalten wurde.
Ein Schwerpunkt in der Tätigkeit Pfarrer Krögers war das sozial-caritative Engagement. So wurden St. Josef-Stift und Hildegard-Stift in Hespenriede erweitert und immer wieder modernisiert, die Caritas-Sozialstation für Alten- und Krankenpflege gegründet.
Nach kurzer, schwerer Krankheit verstarb Prälat Albert Kröger am 15. Dezember 1985. Mit bewegenden Worten hatte er im letzten Weihnachtsbrief von St. Marien Abschied genommen, mit dem Vermächtnis an alle Gemeindemitglieder, Christus und der Kirche die Treue zu halten.

Mit Wirkung vom 2. Februar 1986 berief Bischof Dr. Reinhard Lettmann den Präses der Jugendburg Gemen, Burgkaplan Hubert von der Heide, zum fünften Pfarrer von St. Marien.
Seine besondere Sorge gilt, Probleme der Anonymität in der großen Pfarrei zu überwinden, sich den Familien mit ihren Kindern anzunehmen und die Eingliederung der ab der Mitte der 80er Jahre als Spätaussiedler oder Übersiedler hierher gekommenen Menschen aufzugreifen.
Aber auch der Wunsch, das Haus Gottes immer wieder in neuem Glanz erstrahlen zu lassen, war stets ein Anliegen der Gemeinde und der Pfarrer. So wurde in den Jahren 1988 bis 1990 eine Dach- und Turmsanierung notwendig. Im Jahre 1996 wurde der Altarraum neugestaltet. Ab 2002 wurden die Chorraumfenster durch Buntglasfenster ersetzt, finanziert durch zweckgebundene Spenden von Gemeindemitgliedern.
Im Jahre 2003 durfte die St. Marienkirche ihr 100jähriges Bestehen feiern. Mit einem festlichen Gottesdienst am 19. Juli und anschließendem Festakt im Gemeindehaus, einer großen Ausstellung im Gemeindesaal, einem Kirchweihfest am 6./7. September und einem Jubiläumskonzert am 5. Oktober wurde dem Kirchbau von 1903 gedacht.
Im Jahre 2004 feierten die katholischen Gemeinden der Stadt Delmenhorst ihr 125jähriges Bestehen. Höhepunkte dieses Jubiläums waren eine Vesper auf dem Gelände der Klosterruine in Hude am 15. August, ein eigens für das Jubiläum komponiertes Oratorium “Spuren vielfarbiger Lebendigkeit” des ehemaligen Organisten von St. Marien, Günter Berger, am 14. November und ein Festgottesdienst am Christkönigsfest 20. November mit Weihbischof Heinrich Timmerevers mit anschließender Begegnung in den Gemeinderäumen der aramäischen Gemeinde.
Eine nochmalige Turmsanierung wurde wegen schlechter Bauausführungen 1998 notwendig.
Ab 2005 kommt es zu Umstrukturierungen in den Kirchengemeinden im Offizialatsbezirk Oldenburg. Bedingt durch sinkende Kirchensteuereinnahmen, steigende Personalkosten, zunehmende Instandsetzungsaufwendungen für kirchliche Immobilien, rückläufige Zahlen bei den Gottesdienstbesuchern und zu wenige Priester sollen von den jetzt 127 Kirchengemeinden in Zukunft nur noch 42 übrig bleiben. Davon betroffen ist auch die Pfarrgemeinde St. Marien.
Eine neue Großgemeinde – die neue Kirchengemeinde St. Marien
Der Bischof von Münster Reinhard Lettmann hat mit Wirkung vom 01. Januar 2006 die bisherige Kirchengemein-de St. Marien in Delmenhorst (mit St. Michael Stenum) einschließlich des Rektorates St. Bernhard in Ganderkesee-Bookholzberg und die Kath. Kirchengemeinde Allerheiligen in Delmenhorst einschließlich des Rektorates St. Hedwig in Ganderkesee zu einer neuen Kirchengemeinde mit dem Namen “Kath. Kirchengemeinde St. Marien” in Delmenhorst zusammengelegt.
Dechant Hubert von der Heide wurde zum Pfarrer, Norbert Lach zum Vicarius Cooperator mit dem Titel Pfarrer und Pfarrer Josef Nieberding zum Vicarius Cooperator (seit 01.10.2006) der neu gegründeten Kath. Kirchenge-meinde St. Marien ernannt.
St. Marien Delmenhorst

Baubeginn d. Kapelle am Westergang: Mai 1879
Einweihung: 20.11.1879
Grundsteinlegung der neuen Kirche: 20.08.1901
Einweihung: 19.07.1903
Zerstörung: 26.11.1943
Wiedereinweihung: 05.06.1949
Gemeindemitglieder: 7059
Im Jahre 1857 gaben Goldenstedter Katholiken die erste Anregung, in Delmenhorst katholischen Gottesdienst einzurichten.
In den folgenden Jahren stieg die Zahl der Katholiken, so dass 1873 zunächst in einem angemieteten Saal Sonntagsgottesdienst gehalten werden konnte. 1879 entstand die erste katholische Kapelle am Westergang. Trotz einiger Erweiterungsbauten wurde diese bald zu klein, so dass ein Kirchenneubau unbedingt notwendig war.
Am 19. Juli 1903 konnte die neue Kirche an der Louisenstraße konsekriert werden. Sie zählte damals zu den schönsten und größten Kirchen des Oldenburger Landes. Zur Erinnerung an die marianische Tradition von Kloster Hude wurde sie – wie auch die Kapelle – der Gottesmutter geweiht, auf den Titel ihrer unbefleckten Empfängnis.
Am 26. November 1943 machten amerikanische Bomberverbände einen Angriff auf Bremen. Dabei warfen sie über der Bahnlinie einige Bomben ab. Zwei davon trafen die St.-Marien-Kirche. Es entstand Totalschaden.
Im Juni 1944 begann der Wiederaufbau, der Ende 1948 abgeschlossen war.
Die Altarkonsekration erfolgte am Pfingstsonntag, dem 5. Juni 1949.
Nach den Pfarrern Prälat Bernard Rein (1879-1927), Gottfried Plump (1927-1938), Propst Wilhelm Niermann (1938-1955) und Prälat Albert Kröger (1956-1985) berief Bischof Reinhard Lettmann Hubert von der Heide mit Wirkung vom 2. Februar 1986 zum fünften Pfarrer von St. Marien.
Allerheiligen Delmenhorst

Grundsteinlegung: 10.07.1963
Einweihung: 16.05.1965
Gemeindemitglieder: 1645
Mit ihrem Standort in unmittelbarer Nähe der Caspari-Kaserne wurde die Kirche Allerheiligen an der Wildeshauser Straße als Garnisonskirche gebaut, aber auch als Gotteshaus für die zivile Gemeinde im Westen der Stadt.
Zum 01.05. 1965 wurde Rudolf Voet – Kaplan an St. Marien Delmenhorst – zum verantwortlichen Seelsorger in Allerheiligen bestellt. Allerheiligen war Seelsorgestelle von St. Marien.
Als im Jahr 1966 die Garnisonskirche St. Ansgar in Adelheide erbaut wurde, verlagerte sich das Schwergewicht der Militärseelsorge dorthin. Im Juni 1967 endete die eigene Militärseelsorge in Allerheiligen.
Am 01.02.1969 wurde Allerheiligen zum Pfarrrektorat ernannt und Kaplan Rudolf Voet zum Pfarrrektor bestellt.
Am 01.06.1971 übernahm Franz Nienaber diese Aufgabe.
Am 01.02.1976 wurde Allerheiligen eine Pfarrei mit Franz Nienaber als Pfarrer. Seit dessen Emeritierung am 01.12.2003 wurde Allerheiligen von St. Marien mit betreut.
St. Hedwig Ganderkesee

Grundsteinlegung: 23.04.1950
Einweihung: 05.11.195
0 Gemeindemitglieder: 1373
Bevor in den Jahren 1944-46 viele Flüchtlinge und Vertriebene aus den deutschen Ostgebieten nach Ganderkesee kamen, gab es dort nur sehr wenige Katholiken. Sie wurden von der Gemeinde St. Marien in Delmenhorst mit betreut. 1946 erhielten die Gläubigen mit Pfarrer Helmut Richter, der ebenfalls aus Schlesien vertrieben war, einen eigenen Seelsorger.
Gottesdienste fanden zunächst in verschiedenen Räumlichkeiten in und um Ganderkesee statt, vor allem in der ev. luth. Kirche.
1949 konnte ein Grundstück erworben werden, um darauf eine Kirche und ein einfaches Baracken-Pfarrhaus zu bauen.
Am 05.11.1950 wurde die Kirche durch den früheren Breslauer Weihbischof Ferche aus Köln eingeweiht.
Sie erhielt den Namen der hl. Hedwig, der Patronin Schlesiens.
Seit November 1996 wird das Pfarrrektorat von Pfarrer Norbert Lach betreut.
St. Bernhard Bookholzberg

Grundsteinlegung: 10.08.1967
Einweihung: 11.08.1968
Gemeindemitglieder: 528
Nach dem 2. Weltkrieg kamen viele katholische Heimatvertriebene aus dem Osten nach Bookholzberg. Als die Gemeinde immer größer wurde, wurde der Wunsch nach einer eigenen Kirche – man hatte bislang die Gottesdiens-te in Schulen, in St. Michael Stenum und in der ev. Kirche gefeiert – immer stärker.
Nach vier Jahren Planungsarbeit konnte die neue Kirche im August 1968 eingeweiht werden. Als Namenspatron wählte man den hl. Bernhard von Clairvaux, einen bedeutenden Zisterzienser in Erinnerung an das ehemalige Zis-terzienserkloster Hude und an den ersten Pfarrer von St. Marien, Bernard Rein.
Für vier Jahre hatte die Seelsorgestelle Bookholzberg, die zusammen mit St. Michael Stenum ein Pfarrrektorat bildete, einen eigenen Geistlichen, Pater Hugo Bekkers OFM Cap. aus Holland.
Danach wurde die Gemeinde bis 1989 von Pfarrer Franz Nienaber aus Allerheiligen in Delmenhorst, dann von Pfarrer Norbert Steffen aus Hude mit betreut.
Seit April 1994 ist Pfarrer Norbert Lach für Bookholzberg zuständig, seit 1996 von Ganderkesee aus.
St. Michael Stenum

Einweihung: 24.09.1950
Gemeindemitglieder: 350
Im Jahr 1946 kamen viele Vertriebene aus den deutschen Ostgebieten, insbesondere aus der schlesischen Grafschaft Glatz, nach Stenum. In der Schierbroker Schule feierte man sonntags den Gottesdienst. Die kleine Gemeinde wurde von St. Marien in Delmenhorst betreut.
Propst Wilhelm Niermann, Pfarrer von St. Marien, konnte 1950 ein Einfamilienhaus mit Laden und Lagerraum in Stenum erwerben. Dieser Lagerraum wurde in eine kleine Kapelle umgebaut.
Am 24. September 1950 weihte der Bischöfliche Offizial Grafenhorst aus Vechta diese Kapelle dem hl. Erzengel Michael. Über viele Jahre wurde die kleine Kapelle auch von den Katholiken aus dem benachbarten Bookholzberg genutzt.
St. Michael gehörte stets verwaltungsmäßig und seelsorglich (mit Ausnahme der Jahre 1968 bis 1972) zu St. Marien in Delmenhorst.
Die Zusammenlegung der Gemeinden wurde mit einer Marienvesper am 6. Oktober 2006 in der St. Marienkirche und anschließendem Zusammentreffen aller Teilgemeinden im Gemeindehaus begangen.
Text Teil 2: Rolf Hirschfeld, 2006
Kirchenfotos Teil 2: Willi Rolfes, 1995, Offizialatsarchiv Vechta